Antwort auf den 10. Brief

Lieber Onkel Peter,

vielen Dank für die eingehenden Informationen zu den Heilungen in Lourdes!

Ich habe Deinen Brief meiner Freundin gezeigt. Sie war zwar sehr skeptisch, meinte aber, man könnte bei einer Reise nach Süden ja mal in Lourdes vorbeifahren.

Ich muss Dir etwas erzählen, was mich tierisch aufgeregt hat. In der Pause gab es eine Debatte über das Kopftuch. Achmed hat es verteidigt und behauptet, die Kopftuchpflicht stände im Koran. Am nächsten Tag hat er mir einen Koran geschenkt. Er meinte, ich sollte mal zur Kenntnis nehmen, was der Islam wirklich glaubt, und nicht auf das Geschwätz der Leute hören.

Nachdem ich die Stellen zum Kopftuch gelesen hatte, habe ich mir dann einige andere Suren angeschaut. Das meiste habe ich allerdings nicht verstanden. Es gibt offenbar viele Andeutungen im Koran, die ein Hintergrundwissen voraussetzen, das ich nicht habe.

Aufgefallen sind mir einige Erzählungen, die wie in der Bibel klingen, aber wenn man genauer hinschaut, sind die Unterschiede doch erheblich. Z.B. soll Abraham die Kaaba in Mekka erbaut haben, davon steht, so weit ich weiß, in der Bibel nichts.

Was mich erschreckt hat, sind die zahlreichen Stellen, in denen die Höllenstrafen sehr anschaulich beschrieben werden, und dass da immer wieder steht, die Ungläubigen seien unrettbar der Hölle verfallen.

Ich habe Achmed gefragt, ob mit den Ungläubigen auch die Christen gemeint seien. Er sagte, die Christen hätten eine privilegierte Stellung im Islam als Leute des Buches. Deshalb hätten sie in der islamischen Geschichte auch immer ihre Religion ausüben dürfen, vorausgesetzt sie fielen nicht auf und missionierten nicht.

Ich habe dann noch mal nachgehakt, weil ich gelesen hatte, dass viele Muslime auch hier in Deutschland die Christen trotzdem als Ungläubige bezeichnen. Da meinte er, es gebe zwei Arten von Christen: diejenigen, die an den einen Gott glauben, die könnten gerettet werden, aber diejenigen, die an die Dreifaltigkeit und die Gottessohnschaft Jesu glauben, die würden verdammt, weil sie die schlimmste Sünde begehen, die es für den Islam gibt: die Beigesellung, also wenn man Gott einen zweiten (und dritten) Gott an die Seite stellt.

Ich habe ihn nur ungläubig angeguckt, da sagte er, in der Bibel stände doch genau dasselbe, nur umgekehrt: Es gebe eine Hölle, und alle, die nicht an den Sohn Gottes glauben, seien verloren.

Jetzt weiß ich gar nichts mehr. Denn dann fielen mir die Stellen im Evangelium ein, an denen tatsächlich vom Satan und von der Hölle die Rede ist, und da war es bei mir aus. Es passt ja eigentlich gut zu unserem Firmthema: Der Satan als Gegenspieler des Heiligen Geistes!

Ich habe die Frage mal im Firmkurs gestellt, aber mir schien, die Katechetin wollte da nicht so recht ran. Jedenfalls hat sie schnell abgelenkt und gesagt, es wäre nicht hilfreich, dieser Frage zu viel Aufmerksamkeit zu schenken, wir sollten uns lieber mit den positiven Seiten des Glaubens beschäftigen.

In der Kirche habe ich zu dem Thema auch noch nie was gehört. Warum eigentlich nicht?

Also: Was ist Deine Meinung: Gibt es den Satan? Ist er eine Person? Gibt es eine Hölle, so wie der Koran sie beschreibt?

Herzliche Grüße

Bernd